Hypnosetherapie in Nürnberg

Wie funktioniert Showhypnose?

Showhypnose - Die Show ist entscheidend

Showhypnose – Perfekt inszeniert mit willigen Teilnehmern.

Warum funktioniert Showhypnose und wie funktioniert sie? Bin ich dabei willenlos?

Worin unterscheiden sich Showhypnose und der Einsatz von Hypnose im Coaching und der Therapie?

Entscheidend dabei sind:

  • Die Erwartungshaltung der Kandidaten
  • Das Outfit und die Show des Hypnotiseurs
  • Systematische Auswahl der Kandidaten
  • Psychologische Gruppeneffekte
  • Der Umgang mit Simulanten und Störenfrieden

Einerseits hat die Showhypnose dazu geführt, dass Hypnose in der Bevölkerung sehr bekannt ist und man Hypnose Aufmerksamkeit schenkt. Andererseits wird bei Showhypnosen viel Unfug getrieben. Ein falsches Bild von Hypnose wird verankert, so dass viele Menschen Hypnose mit Kontrollverlust und der Angst davor assoziieren. In der therapeutischen Hypnose muss deshalb viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, bevor eine vertrauensvolle Zusammenarbeit beginnen kann. Ich stehe der Showhypnose deshalb zweigeteilt gegenüber.

Im Folgenden habe ich mich teilweise an das 640-Seiten-Buch „New Encyclopedia of Stage Hypnotism“ des Amerikaners Ormond McGill angelehnt, viele Stellen habe ich aber auch ergänzt. McGill hat Hypnose einerseits seriös zur Therapie eingesetzt, gleichzeitig war er ein großer Pionier der Showhypnose.

Sicher werden Sie bei der nächsten Showhypnose, die Sie im Fernsehen oder live sehen, einige der folgenden Elemente wieder erkennen, auch wenn Ablauf und Inhalte natürlich variieren können.

Bevor die Show überhaupt beginnt: Die Erwartungshaltung

Ein sehr großer Faktor der Show-Hypnose ist die Erwartungshaltung der Teilnehmer der Veranstaltung. Schon vorab wird über die Show gesprochen, Anspannung und etwas Angst lassen die Aufmerksamkeit steigen. Die Eröffnungsrede heizt weiter ein und schließlich werden die Freiwilligen für die Bühnenshow gesucht.

Der Hypnotiseur wird natürlich als “weltbekannt” und großartig angekündigt. Die Zuschauer sind neugierig und davon zumindest ein Stück weit überzeugt, dass es sich bei dem Hypnotiseur um einen außergewöhnlichen Menschen handeln wird. Dass der Besucher einen meist ansehnlichen Eintrittspreis bezahlt hat spricht auch dafür, dass er zumindest ein Stück weit an die Hypnotisierbarkeit glaubt und erwartet, dass hier etwas Beeindruckendes geschehen wird. Und genau diese Überzeugung ist sehr wichtig für die Show! Bereits vor der Show hat der entscheidende Auswahlprozess stattgefunden: Das Publikum besteht größtenteils aus Personen, die an die Fähigkeiten des „Meisters“ glauben.

Der „Meister“ betritt die Bühne …

Der Hypnotiseur ist meist mystisch aufgemacht, trägt geheimnisvolle Kleidung, wirkt dämonisch, hat einen hypnotischen Blick, oft auch einen sehr markanten Bart. Eindrucksvolle Musik, Lichtshow, Nebel und fulminante Sprache tun ihr Übriges um das Publikum zu beeindrucken und schon vorab in eine Massentrance zu führen.

Systematische Auswahl der Teilnehmer

Showhypnose – Systematische Auswahl der Teilnehmer

Zunächst wird eine relativ große Anzahl an Freiwilligen auf die Bühne gebeten. Oft mehr als Stühle auf der Bühne stehen. Einige Teilnehmer müssen deshalb hinter den Stühlen stehen. Der Hypnotiseur erklärt, dass er jedem die gleiche Chance bieten möchte, an der Show aktiv teilzunehmen, aber dass er leider eine Auswahl treffen muss.

Einige Tests werden nacheinander durchgeführt. Dabei handelt es sich um suggestiv gestellte Fragen und meistens Übungen, die zu Phänomenen führen, die relativ einfach durch Vorstellungen herbeiführbar sind.

Z.B. „Armmagnete“ ungefähr so:

Schließe die Augen, streck deine Arme vor dem Körper aus … falte deine Hände ineinander und strecke die Zeigefinger aus, ca. 2-3 Zentimeter voneinander entfernt … komme mit den Händen nach oben in Augenhöhe … Stell dir vor, dass eine magnetische Kraft zwischen deinen Fingern ist und sie sich wie magisch anziehen … Du kannst es schon spüren … und dann geschieht es manchmal tatsächlich … lass die Finger zusammenziehen von dieser magnetischen Kraft … ganz von selbst und wie gegen den eigenen Willen… Bei manchen geht es schnell, bei manchen ein bisschen langsamer … aber du spürst die magnetische Kraft – lass die Finger zusammen gehen … guuut …

Der Showhypnotiseur beobachtet genau, wer überhaupt mitmacht und bei wem das glaubwürdig erscheint. Die erste Übung wird beendet, er macht eine kurze Pause und fragt ob die Übung funktioniert hat. An den Gesichtsausdrücken lässt sich relativ gut erkennen, bei wem das tatsächlich der Fall war, z.B. an verblüfften Blicken oder nachdrücklichem Nicken.

Die “guten“ Kandidaten merkt er sich und fährt mit zwei oder drei weiteren Übungen ähnlicher Art fort, z.B. „müde werdende Augen die sich dann schließen“, “verknotete Hände die sich nicht mehr lösen lassen“, usw.

Wichtig an den Übungen ist für den Showhypnotiseur nur, dass ein paar der Teilnehmer bereit dazu sind, sich auf die Suggestionen einzulassen die er vorgibt und dabei neue Erfahrungen zulassen. Im Laufe der Übungen wird für ihn immer deutlicher welche der Teilnehmer unbewusst signalisieren, dass sie sich für diese Art von neuen Erfahrungen interessieren, und wer damit aufgeschlossen für weitere Erfahrungen dieser Art sein könnte.

Mit jeder erfolgreichen Übung steigt die Chance, dass auch die nächste Übung erfolgreich sein wird („Yes setting“). Daher wird auch mit einfachen Übungen und Demonstrationen begonnen und dann nach und nach das Niveau erhöht.

Wie erkennt der Showhypnotiseur geeignete Kandidaten?

Der ideale Kandidat hat eine (leicht nervöse) Erwartungshaltung und ist selbstbewusst. Er macht bei den Übungen glaubhaft mit.

Personen die mit anderen plaudern, Kaugummi kauen, alkoholisiert sind oder die ganze Zeit grinsen sind weniger geeignet und können die Show stören. Auch Gruppen, die sich gut zu kennen scheinen sind eher ungeeignet, weil die Gruppendynamik das Verhalten des Einzelnen beeinflussen kann. Im Zweifel werden die Personen erstmal auf Plätze gesetzt, die nicht direkt nebeneinander sind.

Die finale Auswahl

“Wer möchte heute Abend eine beeindruckende Erfahrung machen und aktiv bei der Show mitwirken?” Von den Meldungen sucht sich der Showhypnotiseur nun diejenigen raus, die bisher die meisten Anzeichen dafür gezeigt haben, dass sie auch weiterhin den Instruktionen gut folgen werden. Vom Rest der Teilnehmer verabschiedet er sich freundlich.

Auch in der fortschreitenden Show wird immer wieder gefiltert. Die Teilnehmer, die am besten „funktionieren“ behält der Showhypnotiseur auf der Bühne, die anderen werden nach und nach unter tosendem Beifall des Publikums verabschiedet. Die wirklich schwierigen Demonstrationen werden schließlich dann mit den Teilnehmern gemacht, die am besten kooperiert haben.

Psychologische Gruppeneffekte

Gruppeneffekte sind sehr wichtig für die Show. Es ist einfacher, Gruppen zu hypnotisieren als Einzelpersonen, da sich die Erwartung und die Trance der Einzelnen in der Gruppe verstärkt. Auch ist der Einzelne nicht so unter Druck, kann sich so leichter entspannen und mitmachen. Auch der Gruppenzwang spielt hier mit rein: Wenn alle mitmachen wird ein Einzelner selten ausscheren.

Auch das Publikum spielt eine große Rolle, denn es wird aufgefordert die Mutigen mit einem großen Applaus zu begrüßen. Die Teilnehmer sind die Hauptdarsteller auf der Bühne, von denen erwartet wird, dass sie hypnotische Phänomene an sich demonstrieren lassen. Der auserwählte Teilnehmer tut fast alles um den Erwartungen des Publikums und des Hypnotiseurs gerecht zu werden.

Der Hypnotiseur begrüßt die finalen Teilnehmer persönlich und spricht sie bei den Anweisungen meist direkt mit dem Namen an. Das erhöht die Verbindlichkeit der Teilnehmer.

Klarheit der Anweisungen und Trancetiefe

Anweisungen müssen klar und deutlich formuliert werden, damit das Unterbewusstsein sie gut befolgen kann. Oft werden sie mehrfach nacheinander ausgesprochen, da Teilnehmer gedanklich manchmal etwas abschweifen. Auch wird immer nur eine Suggestion auf einmal gegeben um den Teilnehmer nicht zu überfordern. Geschwindigkeit und Schwierigkeitsgrad werden auf die Teilnehmer abgestimmt (Anmerkung: Diese Regeln werden auch bei der therapeutischen Hypnose so angewendet).

Die Showphänomene sind bereits in einer leichten Trance gut demonstrierbar. Deshalb spielt die Trancetiefe bei der Showhypnose keine große Rolle. Um die Trance aufrecht zu erhalten muss der Teilnehmer entweder immer wieder beschäftigt werden oder er wird zwischendurch aufgeweckt.

Umgang mit Simulanten und Störenfrieden

Manchmal kommt es vor, dass ein Teilnehmer ggf. ungewollt nicht wirklich in einer Trance ist und diesen Zustand nur simuliert. Simulation kann durchaus helfen tatsächlich in eine Trance zu kommen – insofern arbeitet der Showhypnotiseur mit dem Teilnehmer erstmal mit einfachen Übungen weiter. Das Publikum wird den Unterschied i.d.R. nicht wahrnehmen.

Schwieriger sind Teilnehmer, die vorsätzlich versuchen die Show zu stören. Diese könnten sich z.B. schlafend stellen und in unbemerkten Momenten Grimassen schneiden. Meist ist im Hintergrund ein Helfer des Showhypnotiseurs der den Störenfried bemerkt und dem Hypnotiseur dann z.B. die Stuhlnummer signalisiert, so dass der Teilnehmer dann umgehend aus dem Teilnehmerkreis entlassen wird.

Die eigentlichen Spielchen

Showhypnose – Stelle dir vor in deinen Schuhen sind glühende Kohlen

Die dann bei der Show demonstrierten Spielchen sind vielfältig. Bei manchen müssen sich die Teilnehmer irgendetwas vorstellen und entsprechend agieren, z.B.:

Stelle dir vor in deinen Schuhen sind glühende Kohlen …

Der Teilnehmer wird dann sehr schnell die Schuhe ausziehen und versuchen seine Füße zu kühlen.

Stelle Dir vor, Du bist ein Schwein auf einem Bauernhof! Dann grunze jetzt auch wie ein Schwein!

Stelle Dir vor, Du hast Ameisen an deinem ganzen Körper! Du spürst das Jucken, überall Ameisen! Kratz dich und versuche die Tierchen wieder loszuwerden!

Um es zusammen zu fassen: Showhypnose funktioniert, weil:

  • das Publikum und die Teilnehmer daran glauben
  • durch die mitreißende Show eine sehr hohe Erwartungshaltung und Gruppendynamik entsteht
  • systematisch die geeignetsten Kandidaten herausgesucht werden und Simulanten und Störenfriede verabschiedet werden
  • für die sowieso relativ einfachen Hypnosephänomene eigentlich überhaupt keine (tiefe) Trance notwendig ist

Ich hoffe, dass die Beschreibungen das Phänomen der Showhypnose etwas aufhellen konnten. Zu keiner Zeit ist ein Teilnehmer willenlos, sondern er spielt einfach nur sehr gut mit.

In der therapeutischen Anwendung von Hypnose ist auch niemand willenlos. Hypnose lebt ein ganzes Stück vom Mitmachen. In Kombination mit Therapie oder Coaching kann in einer Trance dann aber der leichtere Zugang zum Unterbewusstsein sehr hilfreich sein um auf innere Ressourcen zuzugreifen, neue Lösungen zu entwickeln oder bisher nicht zugreifbare tiefere Problemmuster besser zu verstehen.