Anpassungsstörung oder Burnout?

Burnout ist häufig nur eine ergänzende Diagnose. Diagnostiziert werden eher eine Anpassungsstörung, Depression (“Affektive Störung”) oder Dysthymie. Viele Symptome sind in mehreren der genannten Erkrankungen vorhanden. Die Entstehung und der Verlauf können aber unterschiedlich sein.

Diagnose bei Burnout Symptomen
Was habe ich? Burnout, Depression, Anpassungsstörung oder chronische Erschöpfung haben ähnliche Symptome.

Bei den aufgeführten Informationen handelt es sich um allgemeine Hinweise, die nicht zur Diagnostik oder Selbstbehandlung gedacht sind. Wenden Sie sich zu einer ersten Abklärung eigener Beschwerden bitte immer zuerst an Ihren Arzt.

Anpassungsstörung nach einschneidenden Veränderungen

Eine Anpassungsstörung kann Symptome einer Depression haben, Angst, starke Besorgnis,  Konzentrationsschwierigkeiten, Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung, bis hin zu Suizidgedanken. Sie wird dann diagnostiziert, wenn diese nach belastenden Lebensereignissen “von nicht außergewöhnlichem oder katastrophalem Ausmaß” auftreten und zeitlich beschränkt sind.

Belastende Lebensereignisse als Auslöser

Veränderung geschieht immer. Aber manchmal treffen uns Veränderungen tiefer und der Umgang damit erscheint sehr schwer. Mögliche Lebensveränderungen als Ursache einer Anpassungsstörung sind z.B.

  • Trennung vom Lebenspartner oder Scheidung
  • Geburt eines Kindes
  • Todesfälle und Trauer
  • Probleme am Arbeitsplatz wie eine neue Rolle, Konflikte oder Mobbing
  • Schwere körperliche Erkrankungen

Diagnostisch muss bei einer Anpassungsstörung ein erkennbarer Auslöser vorliegen und die Dauer darf nach diesem Auslöser nicht länger als sechs Monate andauern. In den meisten Fällen bilden sich die Symptome innerhalb der sechs Monate wieder zurück.

Abgrenzung von Burnout, Depression und organischen Erkrankungen

Bei der Anpassungsstörung können ähnliche Symptome wie bei anderen Erkrankungen oder Störungen auftreten. Deshalb ist eine gute diagnostische Abklärung wichtig. An erster Stelle müssen hier durch einen Arzt eine organische Erkrankung und Ursache ausgeschlossen werden.  Zudem ist eine Abgrenzung zu Depression, Burnout, Angststörung und anderen psychischen Störungen notwendig, um eine zielgerichtete Behandlung zu gewährleisten.

Eine festgelegte Behandlungsmethodik bei Anpassungsstörungen gibt es nicht. Es muss immer im Einzelfall entschieden werden, ob Medikamente, Psychotherapie, spezielle Krisenintervention oder eine andere Behandlungsform sinnvoll sind.

Eine Detaillierte Beschreibung zu Anpassungsstörungen finden Sie z.B. im Ärzteblatt und noch ausführlicher unter psychosoziale-gesundheit.net.

Burnout

Burnout ist die Folge eines langen Missverhältnisses zwischen Anforderungen und persönlichen Ressourcen. Chronisch unbewältigter Stress und stark gesunkene Erholungsfähigkeit führen irgendwann zu psychischen Störungen wie Schlafstörung, Panikattacke, Depression oder zu  irreparablen körperlichen Schäden wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall. Oder zum Burnout.

Burnout ist ein Not-Aus des Körpers

In der Endausprägung eines Burnouts schaltet der Körper auch medizinisch gesehen ab und zieht bildlich den Stecker. Von einem Moment auf den anderen geht Garnichts mehr. Sie sitzen dann vielleicht apathisch und handlungsunfähig an Ihrem Schreibtisch. Häufig müssen Menschen abgeholt werden, weil sie selber nicht mehr in der Lage sind nach Hause zu fahren.

Typische Phasen – Ein weiter Weg

Ein Verlauf in Phasen ist häufig, wobei nicht jede Phase durchlaufen werden muss.

  1. Hoher Ehrgeiz und Einsatz, Hyperaktivität.
  2. Fehlender Ausgleich und Vernachlässigung der eigene Bedürfnisse.
  3. Leugnen der Situation und der daraus resultierenden Probleme.
  4. Steigende Unfähigkeit Prioritäten zu erkennen. Zunehmende Desorientierung.
  5. Hoffnungslosigkeit, emotionaler Rückzug und Unfähigkeit dabei Hilfe anzunehmen.Rückzug und Verflachung
  6. Innere Abwertung, vielfältige psychische Symptome wie Ängste, Panikattacken, Schlafstörungen. Suchtverhalten.
  7. Depression, Antriebslosigkeit, keine Lebensfreude, reduzierte Körperfunktionen wie Hunger, etc.
  8. Burnout durch Not-Aus des Körpers oder völlige Erschöpfung und Handlungsunfähigkeit

Umso länger der Verlauf und die Erschöpfung ist, umso weniger persönliche Ressourcen zur Umkehr stehen zur Verfügung.

Hilfe bei Burnout

Es gibt viele Blogs und Foren und auch andere gute Webseiten im Internet. Das ist ein guter Startpunkt, wenn Sie bisher nur Burnout Symptome und keinen Burnout haben. Hier können Sie Kontakte und vielleicht einige Antworten finden.

Die Klärung Ihrer persönlichen Situation, Ihrer Verhaltensmuster und die Auseinandersetzung mit sich selbst werden Ihnen die Informationen im Internet aber nicht abnehmen. Burnout ist persönlich und lässt sich nicht mit einem Ratgeber-Taschenbuch beheben.

In einer Psychotherapie wird Ihre persönliche Situation strukturiert betrachtet und es werden gezielt Handlungsalternativen entwickeln. Das Ziel ist es, die Negativspirale umzudrehen und dass Sie sich selber wieder aus dem Sumpf ziehen können und Weichen in Zukunft anders stellen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Prozess noch nicht zu weit fortgeschritten ist. In den letzten Phasen des Burnouts ist eine ärztliche Betreuung, Krankschreibung und idealerweise stationäre Unterbringung in einer spezialisierten Einrichtung indiziert.

Depression bzw. depressive Episode

Depression wird klinisch korrekt als “depressive Episode” unter dem Hauptbegriff Affektive Störung bezeichnet. Im ICD 10, dem Diagnoseklassifikationssystem der Medizin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Symptome beschrieben, die erfüllt sein müssen, damit man von einer depressiven Episode (F32) spricht. Dazu gehören z.B.

  • gedrückte Stimmung
  • Verminderung von Antrieb und Aktivität
  • verminderte Fähigkeit zu Freude
  • vermindertes Interesse und schwächere Konzentration
  • starke Müdigkeit auch bei kleinsten Anstrengungen
  • gestörter Schlaf
  • weniger Hungergefühl
  • niedrigeres Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit

Wichtig dabei ist, dass es sich nicht nur um eine kurze Stimmungsschwankung handelt, sondern dass sich diese wenig verändert. Affektive Störungen werden entsprechend ihrer Ausprägungen in verschiedene Schweregrade eingeteilt.

Depression oder nur “Stimmungsschwankungen”?

Landläufig wird unter Depression eine ganze Menge verstanden. Meist wird der Begriff Depression aber falsch verwendet, weshalb ich einige andere psychische Störungen ganz bewusst von einer depressiven Episode abgrenzen möchte:

  1. Niedergeschlagenheit oder seelische Verstimmungen sind keine Depression, wenn sie nicht die Kriterien der ICD 10 erfüllen. Stimmungsschwankungen können als auch ganz “normal” sein, wenn sie nicht zu intensiv, zu häufig und mit entsprechendem Leid verbunden sind.
  2. Dysthymia ist eine lang anhaltende depressive Verstimmung, die jedoch nicht die Kritereien der Dauer oder Schwere einer depressiven Episode erfüllt.
  3. Posttraumatische Belastungsstörung können als Reaktion auf ein belastendes Erlebnis mit außergewöhnlicher Ausmaß entstehen (ICD10, F 43.1)

Abklärung durch einen Arzt

Die Symptome einer Depression können organische Ursachen haben. Deshalb ist eine medizinische Abklärung durch einen Arzt, Neurologen oder Psychiater unerlässlich. Wenn eine psychische Belastung ursächlich für die Erkrankung ist, dann kann eine Behandlung mit Psychotherapie erfolgen.

Dysthymie – Chronische depressive Verstimmung

Dysthymie ist eine depressive Verstimmung, die chronisch geworden ist und von den Betroffenen oft nicht als Erkrankung wahrgenommen wird. Die Kriterien einer Depression sind weder bzgl. Stärke als auch Dauer nicht erfüllt. Der Erkrankte kann sein Leben meist „normal“ führen. Eine Dysthymie kann jedoch in eine Depression münden. Die Symptome der Dysthymie müssen mindestens zwei Jahre lang anhalten.

Dysthymie wird im ICD 10, dem Diagnoseklassifikationssystem der Medizin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter “Anhaltende affektive Störung” eingeordnet. D.h. die Stimmung, also der Affekt, ist gestört.

Wichtige Symptome, die im ICD 10 genannt werden:

  • wiederkehrendes Auftreten der Beschwerden über mindestens 2 Jahre
  • Ausnahmen vom Zustand können auftreten, dürfen aber nur wenige Wochen anhalten
  • Die Symptome können denen einer Depression gleichen. Die Ausprägung der Beschwerden erfüllen nicht die einer Depression.

Häufigkeit und Verlauf von Dysthymie

In einem sehr ausführlichen Artikel über Dysthymie auf psychosoziale-gesundheit.net schreibt der Autor, dass die Wahrscheinlichkeit im Leben daran zu erkranken bei 6% liegt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt (also z.B. jetzt) sind ca. 3% der Bevölkerung erkrankt.

Die Erkrankung ist leider häufig komplex. Es können zusätzliche Erkrankungen auftreten, wie z.B. Angsterkrankungen oder Drogen-Abusus. Zudem wird die Krankheit häufig nicht richtig erkannt und damit verschleppt und nicht frühzeitig behandelt.

Abklärung durch einen Arzt

Bei Problemen die die Stimmungslage betreffen, ist eine körperliche Abklärung und Diagnose angeraten. Symptome können organische Ursachen haben. Wenn psychische Belastungen für die Symptome ursächlich oder zumindest ein wichtiger Mitverursacher sind, dann kann eine Behandlung mit Psychotherapie begleitend oder in Absprache mit dem Arzt auch als Primärtherapie erfolgen.

Wenn keine organischen Ursachen vorliegen wird ein Arzt sicher eine Psychotherapie unterstützen. Eine Psychotherapie können Sie bei einem psychologischen Psychotherapeuten, einem Arzt mit entsprechender Qualifikation oder bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie machen.